Dieser Lab-Beitrag schließt eine praktische Lücke in der SUSE-Reihe: Er bleibt nicht bei der Installation von SLES 16 stehen, sondern zeigt, wie sich ein verwalteter SLES-16-Server verhält, wenn OpenSCAP-Inhalte, Hardening-Profile, Remediation und SUSE Multi-Linux Manager Lifecycle-Channels zusammenkommen.
Die wichtigste Einordnung ist bewusst sauber formuliert: CIS veröffentlicht einen Benchmark für SUSE Linux Enterprise 16. Das in diesem Lab installierte SUSE-Paket scap-security-guide stellt für SLE 16 aber ANSSI-, HIPAA-, PCI-DSS- und Basisprofile bereit, kein direkt nutzbares CIS-Level-2-Profil. Deshalb dokumentiert dieser Beitrag einen ANSSI-BP-028-high-Lauf und erklärt, wie CIS Level 2 fachlich korrekt behandelt werden muss.
Warum CIS, OpenSCAP und Hardening wichtig sind
CIS Benchmarks sind hersteller- und community-gepflegte Sicherheitsbaselines. Sie übersetzen typische Hardening-Fragen in konkrete Prüfpunkte: Passwortregeln, SSH-Verhalten, sudo-Einschränkungen, Dateirechte, Audit-Regeln, Kernel-Parameter und Logging. In der Praxis sind sie hilfreich, weil Security, Audit und Betrieb über dieselbe technische Baseline sprechen können und nicht über unscharfe Bauchgefühle.
OpenSCAP ist Werkzeuging für maschinenlesbare SCAP-Inhalte. Mit oscap lässt sich ein System prüfen, ein HTML-Report erzeugen und je nach Profil Remediation als Bash- oder Ansible-Variante generieren. Damit wird Hardening wiederholbar: erst messen, dann gezielt ändern, danach erneut scannen und Ausnahmen dokumentieren.
SUSE Multi-Linux Manager ergänzt die betriebliche Ebene dazu. Pakete, Profile, Remediation-Läufe und Nachweise liegen nicht auf einer isolierten Testmaschine, sondern im gleichen Lifecycle-, Proxy- und Channel-Modell, über das auch produktive Server versorgt werden. Deshalb prüft dieser Beitrag zuerst Manager und Channel-Pfad, bevor es um Scores geht.
Begriffe kompakt
| Begriff | Bedeutung | Warum relevant |
|---|---|---|
| CIS Benchmark | veröffentlichte Hardening-Baseline für ein Produkt oder eine Plattform | gemeinsame technische und auditierbare Referenz |
| CIS Level 1 | meist praxistaugliche Basis mit geringerem Betriebseingriff | guter Einstieg für breit genutzte Systeme |
| CIS Level 2 | strengere Baseline mit höherem potenziellem Betriebseingriff | braucht Workload-Test und dokumentierte Ausnahmen |
| SCAP | maschinenlesbarer Sicherheitsinhalt und Ergebnisformat | ermöglicht automatisierte Scans und vergleichbare Nachweise |
| OpenSCAP / oscap | Scanner und Reporting-Werkzeug für SCAP-Inhalte | macht Profile als wiederholbare Checks nutzbar |
| Remediation | generierte oder manuelle Änderungen für fehlgeschlagene Regeln | muss vor produktivem Rollout geprüft werden |
CIS Benchmark
- Bedeutung
- veröffentlichte Hardening-Baseline für ein Produkt oder eine Plattform
- Warum relevant
- gemeinsame technische und auditierbare Referenz
CIS Level 1
- Bedeutung
- meist praxistaugliche Basis mit geringerem Betriebseingriff
- Warum relevant
- guter Einstieg für breit genutzte Systeme
CIS Level 2
- Bedeutung
- strengere Baseline mit höherem potenziellem Betriebseingriff
- Warum relevant
- braucht Workload-Test und dokumentierte Ausnahmen
SCAP
- Bedeutung
- maschinenlesbarer Sicherheitsinhalt und Ergebnisformat
- Warum relevant
- ermöglicht automatisierte Scans und vergleichbare Nachweise
OpenSCAP / oscap
- Bedeutung
- Scanner und Reporting-Werkzeug für SCAP-Inhalte
- Warum relevant
- macht Profile als wiederholbare Checks nutzbar
Remediation
- Bedeutung
- generierte oder manuelle Änderungen für fehlgeschlagene Regeln
- Warum relevant
- muss vor produktivem Rollout geprüft werden
Lab-Aufbau
Verwendete Systeme
| Komponente | Rolle | Nachweis |
|---|---|---|
| mlm01.example.test | SUSE Multi-Linux Manager 5.2 | Manager-UI, Channel-Zuordnung und registriertes System |
| mgrproxy01.example.test | MLM-Proxy zwischen Manager und Client | Client-Repositories wurden über den Proxy ausgeliefert |
| sles16-client01.example.test | verwalteter SLES-16-Client | OpenSCAP-Scan-Ziel und Remediation-Ziel |
mlm01.example.test
- Rolle
- SUSE Multi-Linux Manager 5.2
- Nachweis
- Manager-UI, Channel-Zuordnung und registriertes System
mgrproxy01.example.test
- Rolle
- MLM-Proxy zwischen Manager und Client
- Nachweis
- Client-Repositories wurden über den Proxy ausgeliefert
sles16-client01.example.test
- Rolle
- verwalteter SLES-16-Client
- Nachweis
- OpenSCAP-Scan-Ziel und Remediation-Ziel
Der SLES-16-Client war über den Proxy erreichbar, im SUSE Multi-Linux Manager registriert und einem produktiven Lifecycle-Channel zugeordnet. Genau das ist für eine Kundenumgebung wichtig: Compliance muss über denselben Paket- und Proxy-Pfad funktionieren wie der normale Betrieb.
Channel-Readiness vor dem Hardening
Der erste Test war kein OpenSCAP-Scan, sondern die Paketverfügbarkeit am verwalteten Client. Eine Hardening-Anleitung hilft wenig, wenn Scanner und Security Guide im zugewiesenen Lifecycle-Channel fehlen.
zypper refreshzypper se -s openscap scap-security-guiderpm -q openscap openscap-utils libopenscap33 scap-security-guide
Im Lab hat der dem Client zugewiesene Produktiv-Channel nicht alle OpenSCAP-Pakete sichtbar gemacht, obwohl der Manager diese Pakete bereits in anderen synchronisierten SLES-16-Channels hatte. Das ist ein realistisches Lifecycle-Management-Problem: geklonte Channels können zu eng oder veraltet sein. Vor flächigen Scans muss die Channel-Zusammenstellung stimmen.
Paket-Readiness
| Paket | Zweck | Ergebnis |
|---|---|---|
| openscap-utils | stellt oscap-CLI-Werkzeuge bereit | notwendig für lokalen Scan und Report-Erzeugung |
| scap-security-guide | liefert SLE-16-Datastream-Inhalte | notwendig für unterstützte Profile |
| libopenscap33 | Runtime-Bibliothek | Abhängigkeit der OpenSCAP-Werkzeuge |
| libexslt0 / libxmlsec1-openssl1 | XML- und Signaturunterstützung | Dependency-Lücke wurde bei der Paketinstallation sichtbar |
openscap-utils
- Zweck
- stellt oscap-CLI-Werkzeuge bereit
- Ergebnis
- notwendig für lokalen Scan und Report-Erzeugung
scap-security-guide
- Zweck
- liefert SLE-16-Datastream-Inhalte
- Ergebnis
- notwendig für unterstützte Profile
libopenscap33
- Zweck
- Runtime-Bibliothek
- Ergebnis
- Abhängigkeit der OpenSCAP-Werkzeuge
libexslt0 / libxmlsec1-openssl1
- Zweck
- XML- und Signaturunterstützung
- Ergebnis
- Dependency-Lücke wurde bei der Paketinstallation sichtbar
Verfügbare SLES-16-Profile prüfen
oscap info /usr/share/xml/scap/ssg/content/ssg-sle16-ds.xml
Profil-Ergebnis
| Profil | Status im Lab | Betriebliche Einordnung |
|---|---|---|
| ANSSI-BP-028 minimal/intermediary/enhanced/high | verfügbar | für automatisierte SLE-16-OpenSCAP-Nachweise nutzbar |
| HIPAA | verfügbar | für Health-Care-nahe Baseline-Prüfungen relevant |
| PCI-DSS 4.0.1 | verfügbar | für Umgebungen mit Kartendatenbezug relevant |
| CIS Level 1 / Level 2 | nicht im installierten SSG-Datastream vorhanden | CIS Benchmark, CIS-CAT, Build Kit oder validiertes Tailoring getrennt verwenden |
ANSSI-BP-028 minimal/intermediary/enhanced/high
- Status im Lab
- verfügbar
- Betriebliche Einordnung
- für automatisierte SLE-16-OpenSCAP-Nachweise nutzbar
HIPAA
- Status im Lab
- verfügbar
- Betriebliche Einordnung
- für Health-Care-nahe Baseline-Prüfungen relevant
PCI-DSS 4.0.1
- Status im Lab
- verfügbar
- Betriebliche Einordnung
- für Umgebungen mit Kartendatenbezug relevant
CIS Level 1 / Level 2
- Status im Lab
- nicht im installierten SSG-Datastream vorhanden
- Betriebliche Einordnung
- CIS Benchmark, CIS-CAT, Build Kit oder validiertes Tailoring getrennt verwenden
Baseline-Audit durchführen
mkdir -p /root/openscap-evidence/sles16-hardening-20261006oscap xccdf eval \--profile xccdf_org.ssgproject.content_profile_anssi_bp28_high \--results /root/openscap-evidence/sles16-hardening-20261006/anssi-high-results.xml \--report /root/openscap-evidence/sles16-hardening-20261006/anssi-high-report.html \/usr/share/xml/scap/ssg/content/ssg-sle16-ds.xml
Baseline-Ergebnis
| Ergebnis | Anzahl | Bedeutung |
|---|---|---|
| PASS | 156 | Regeln waren bereits erfüllt |
| FAIL | 216 | Regeln benötigen Remediation oder Designentscheidung |
| NOT APPLICABLE | 24 | Regeln treffen auf dieses Ziel nicht zu |
| NOT CHECKED | 1 | Regel wurde nicht automatisch bewertet |
PASS
- Anzahl
- 156
- Bedeutung
- Regeln waren bereits erfüllt
FAIL
- Anzahl
- 216
- Bedeutung
- Regeln benötigen Remediation oder Designentscheidung
NOT APPLICABLE
- Anzahl
- 24
- Bedeutung
- Regeln treffen auf dieses Ziel nicht zu
NOT CHECKED
- Anzahl
- 1
- Bedeutung
- Regel wurde nicht automatisch bewertet
Remediation kontrolliert vorbereiten
Vor der Remediation wurde die VM gesnapshottet. Bei hohen Hardening-Profilen ist das Pflicht. Partitionierung, sudo, Audit, PAM, SSH und Kernel-Parameter können Zugriff und Betrieb sofort verändern.
virsh snapshot-create-as \--domain sles16-client01 \--name before-openscap-anssi-high-20261006 \--description "Before SLES16 OpenSCAP ANSSI high remediation evidence run" \--disk-only --atomic --no-metadataoscap xccdf generate fix --fix-type bash \--profile xccdf_org.ssgproject.content_profile_anssi_bp28_high \--output anssi-high-remediation.sh \anssi-high-results.xmloscap xccdf generate fix --fix-type ansible \--profile xccdf_org.ssgproject.content_profile_anssi_bp28_high \--output anssi-high-remediation.yml \anssi-high-results.xml
Das Remediation-Skript lief durch, zeigte aber genau die Grenzen, die man in echten Umgebungen kennen muss: einzelne Pakete waren über den zugewiesenen Channel nicht erneut installierbar, eine SSSD-PAM-Remediation fehlte, und sudo wurde mit requiretty, noexec, use_pty und umask deutlich härter konfiguriert. Deshalb gehört Remediation in ein getestetes Wartungsfenster und nicht in einen blinden Einzeiler.
Vorher und nachher
| Metrik | Vor Remediation | Nach Remediation |
|---|---|---|
| PASS | 156 | 261 |
| FAIL | 216 | 101 |
| ERROR | 0 | 10 |
| Score | nicht als alleinige Freigabe genutzt | 79,57 Prozent im generierten Report |
PASS
- Vor Remediation
- 156
- Nach Remediation
- 261
FAIL
- Vor Remediation
- 216
- Nach Remediation
- 101
ERROR
- Vor Remediation
- 0
- Nach Remediation
- 10
Score
- Vor Remediation
- nicht als alleinige Freigabe genutzt
- Nach Remediation
- 79,57 Prozent im generierten Report
Was das für CIS Level 2 bedeutet
Ein ANSSI-high-Scan darf nicht in CIS Level 2 umbenannt werden. Wenn ein Kunde CIS Level 2 für SLES 16 verlangt, ist der saubere Weg: CIS-SLE-16-Benchmark-Inhalte beschaffen, mit CIS-CAT Pro oder einem validierten Tailoring-Workflow prüfen, lokale Ausnahmen dokumentieren und die Nachweise an die konkrete Benchmark-Version binden.
Technische Abnahme
| Prüfung | Ergebnis | Kommentar |
|---|---|---|
| Client über MLM verwaltet | PASS | sles16-client01.example.test im MLM sichtbar und aktuell |
| Proxy-Pfad genutzt | PASS | Client-Repositories wurden über mgrproxy01.example.test ausgeliefert |
| OpenSCAP-Pakete verfügbar | PASS WITH FINDING | Pakete waren am Manager vorhanden, Channel-Inhalte mussten geprüft werden |
| SLE-16-SSG-Profile gelistet | PASS | ANSSI, HIPAA, PCI-DSS und Basisprofil wurden gefunden |
| CIS-Level-2-Automation | NOT CLAIMED | CIS-Benchmark existiert, aber kein CIS-Profil im installierten SUSE-SSG-Datastream |
| Remediation | PASS WITH CONDITIONS | Ergebnisse verbessert, aber Repository- und sudo/noexec-Folgen brauchen Review |
Client über MLM verwaltet
- Ergebnis
- PASS
- Kommentar
- sles16-client01.example.test im MLM sichtbar und aktuell
Proxy-Pfad genutzt
- Ergebnis
- PASS
- Kommentar
- Client-Repositories wurden über mgrproxy01.example.test ausgeliefert
OpenSCAP-Pakete verfügbar
- Ergebnis
- PASS WITH FINDING
- Kommentar
- Pakete waren am Manager vorhanden, Channel-Inhalte mussten geprüft werden
SLE-16-SSG-Profile gelistet
- Ergebnis
- PASS
- Kommentar
- ANSSI, HIPAA, PCI-DSS und Basisprofil wurden gefunden
CIS-Level-2-Automation
- Ergebnis
- NOT CLAIMED
- Kommentar
- CIS-Benchmark existiert, aber kein CIS-Profil im installierten SUSE-SSG-Datastream
Remediation
- Ergebnis
- PASS WITH CONDITIONS
- Kommentar
- Ergebnisse verbessert, aber Repository- und sudo/noexec-Folgen brauchen Review
Checkliste für produktive Systeme
Für Produktion gilt: Channel-Inhalte prüfen, Backup oder Snapshot erstellen, Baseline-Scan ausführen, Remediation lesen, Wartungsfenster planen, Änderungen anwenden, erneut scannen, Ausnahmen dokumentieren und erst danach entscheiden, ob das System für den jeweiligen Workload ausreichend gehärtet ist.



